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UNTERNEHMERTAG

Naemi Benz, Chief Operating Officer bei Ava AG

«Veränderungsmanagement gehört zum Tagesgeschäft»

Naemi Benz ist Chief Operating Officer von Ava AG. Das Schweizer Health-Tech-Start-up entwickelt smarte Armbänder für Frauen und durchläuft aufregende Zeiten.

Frau Benz, Sie sind Chief Operating Officer des Schweizer Start-ups Ava AG. Was begeistert Sie an dieser Aufgabe?

Es ist wahnsinnig aufregend ein Problem zu lösen, über das oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Jedes dritte Paar, kann sich den Kinderwunsch nicht so schnell erfüllen, wie es sich das erhofft hat. Mit unserer Arbeit erleben wir immer wieder wie Menschen beim Thema einsteigen, sich öffnen und erzählen. Egal ob bei der Investorensuche, im Recruiting oder bei der Produktentwicklung. Es betrifft eben sehr viele.

Ava AG hat in der Corona-Krise turbulente Zeiten erlebt und fast die Hälfte der 100 Mitarbeitenden entlassen müssen. Wie managen Sie diesen Transformationsprozess?

Als Start-up sind wir fast konstant in einer Transformation. Veränderungsmanagement gehört zum Tagesgeschäft. Viel Zeit und Transparenz braucht es. Entscheidungen und Kontext müssen immer und immer wieder erklärt werden. Ich finde, dass Mitarbeitende mehrmals die Chance bekommen müssen, alle Aspekte der Entscheidung und Neuausrichtung zu verstehen. Und Mitarbeitende, die bleiben, sollen sich in der neuen Organisation zu 100 Prozent wohl fühlen und offen sein können. Allfällige Ressentiments müssen unbedingt ausgeräumt werden. Wir arbeiten mittlerweile sehr effizient im kleineren Team.

Sie arbeiteten lange für IBM und sind nun Chief Operating Officer bei Ava AG. Worin unterscheidet sich die Führung von Mitarbeitenden in einem Start-up von einem Konzern? 

Im Konzern sind die Mitarbeitenden uniformierter. Man macht die gleichen Trainings, Ausbildungen, Events. Im Start-up sind alle völlig verschieden. Wir haben wunderbar bunte Vögel, die anpacken. Und obwohl auch wir eine gewisse Firmenidentifikation anstreben, bleibt das Denken individueller als im Konzern. Vor allem die frühen Mitarbeitenden identifizieren sich stark mit dem von Ihnen Geschaffenen.

Worin liegen die Herausforderungen, ein Start-up in ein globales Unternehmen zu transformieren?

Wenn das Start-up nach den ersten Erfolgen wächst, braucht es plötzlich konsistentes Leadership, das uniformelleren Anforderungen folgt. Debatten werden dann plötzlich anders geführt und Entscheidungen anders getroffen. Die Individualisten der frühen Stunde, müssen solche Leader-Qualitäten entwickeln oder es werden solche Leader eingestellt. Das ist eine Herausforderung. Es ist der Moment, in dem manchmal frühe Freunde oder Mitgründer das Start-up verlassen, weil sie sich nicht mehr am richtigen Platz fühlen oder sie Ihre Skills nicht mehr gleich einbringen können. Wer essentiell war am Anfang der Idee, ist nicht zwingend richtig für das Wachstum. Das ist immer emotional.

Start-ups sind bekannt für flache Hierarchien und flexible Methoden. Wahrheit oder Klischee?

Wahrheit. Das heisst nicht, dass wir keine Hierarchien haben. Aber die Hierarchie bedeutet nur Entscheidungskraft im Konfliktfall. Meistens findet die Organisation die Entscheidung organisch. Die Know-how Träger führen die Entscheidung inklusive Budget und Kostenfokus. Gibt es Konflikte und ist Gefahr im Verzug, greift die Hierarchie. Das funktioniert natürlich nur bis zu einer gewissen Organisationsgrösse. Bei Ava machen mehr als ein bis zwei hierarchische Ebenen gottseidank keinen Sinn. Wären es mehr, bräuchten wir mehr Zeit, um die Organisation stärker zu formieren. Wir sind fremdfinanziert. Es geht also um die Balance von Innovation und Geschwindigkeit, um den Investoren ihren Return geben zu können. Organisationsbildung wird daher agil betrieben.

Das smarte Armband von Ava AG eignet sich auch zur Covid-19-Früherkennung, wie eine Studie mit der Liechtensteiner Dr. Risch-Gruppe gezeigt hat. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Es gab schon Forschung zu den Ava gemessenen Parametern in Verbindung mit Infektionskrankheiten. Die Veränderungen in Puls-, Atemfrequenz und Körpertemperatur sind bei Infektionen messbar. Als die Dr. Risch-Gruppe auf uns zu kam, war uns sofort klar, dass wir hier mit unserer Technologie einen Beitrag leisten können und wollen. Es freut uns sehr, dass die Dr. Risch-Gruppe diese Studie in Liechtenstein durchgeführt hat und die Resultate so positiv sind. Für uns ist diese Studie ein grosses Learning.

Inwiefern eröffnet sich die Möglichkeit, ihr Armband auch für neue Anwendungen zu erschliessen?

Vor allem in der Schwangerschaft, sind Infektionssymptome Indikatoren für schwerwiegende Probleme, die man bei Früherkennung verhindern kann. Das interessiert uns besonders. Unsere Vision ist es, im Women’s-Health-Bereich noch viel zu bewegen. Darauf fokussieren wir uns. Wir wollen Frauen über die Jahre begleiten – sei es bei der Verhütung, der Familienplanung oder eben auch während der Schwangerschaft oder Menopause.

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